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René-Kuczynski-Preis 2011 an Tanja Penter
für ihr Buch:

Kohle für Stalin und Hitler. Arbeiten und Leben im Donbass 1929-1953, Essen: Klartext Verlag 2010 (= Veröffentlichungen des Instituts für soziale Bewegungen. Schriftenreihe C: Arbeitseinsatz und Zwangsarbeit im Bergbau; Bd. 8), 467 Seiten, ISBN 978-3-8375-0019-6

Die Jury des Vereins zur Vergabe des René Kuczynksi Preises hat als Preisträgerin für 2011 die deutsche Historikerin Tanja Penter nominiert.

Zum preisgekrönten Buch: Als wichtigstes Steinkohlenrevier der Sowjetunion spielte das in der Ostukraine gelegene Donezbecken sowohl für die stalinistische Industrialisierung der 1930er Jahre, für die Ausbeutungspolitik der deutschen Besatzer während des Zweiten Weltkrieges als auch für den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Sowjetstaates nach Kriegsende eine zentrale Rolle. Für die Bevölkerung der Region verband sich dies mit spezifischen Zwangsarbeits-, Gewalt-, Terror- und Hungererfahrungen, die trotz wechselnder Herrschaftsverhältnisse neben Bruchstellen auch überraschende Kontinuitäten aufwiesen. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, wie sich diese Erfahrungen auf die Ausbildung von Loyalitäten gegenüber den jeweiligen Machthabern auswirkten. Die Untersuchung verknüpft dabei die bisher zumeist getrennt behandelten Felder der Stalinismus- und der Besatzungsforschung durch einen erfahrungsgeschichtlichen Ansatz, der es ermöglicht, unter einer neuen Perspektive Fragen des Diktaturvergleichs aufzugreifen.

Die Preisverleihung fand im Rahmen der Eröffnungsfeier der 47. Linzer Konferenz der ITH am 29. September 2011 im Jägermayrhof statt.

Festvortrag der Preisträgerin

PD Dr. Tanja Penter
geboren 1967 in Letmathe/ Iserlohn, vertritt seit Mai 2010 die Professur für Geschichte des 19. u. 20. Jahrhunderts unter bes. Berücksichtigung Mittel- und Osteuropas an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg. Sie promovierte 1999 an der Universität Köln mit einer Arbeit zur Geschichte der sozialen und nationalen Bewegungen in der Russischen Revolution von 1917 (Odessa 1917. Revolution an der Peripherie, Köln/Wien 2000).
Ihre 2008 an der Ruhr-Universität Bochum verteidigte Habilitationsschrift untersucht die Arbeits- und Alltagserfahrungen der Bevölkerung im ukrainischen Donezbecken während des Stalinismus und der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg (Kohle für Stalin und Hitler. Arbeiten und Leben im Donbass 1929 bis 1953, Essen 2010). Die preisgekrönte Arbeit entstand im Rahmen eines größeren Forschungsprojektes am Institut für soziale Bewegungen der Ruhr-Universität Bochum zur Zwangsarbeit im Kohlenbergbau.
2007 bis 2010 war sie Geschäftsführerin am Lehrstuhl für Zeitgeschichte der Ruhr-Universität Bochum im internationalen Projekt zur Erforschung der Durchführung, Auswirkungen und Wahrnehmungen des letzten Entschädigungsprogramms für ehemalige Zwangsarbeiter. Im WS 2008 /2009 vertrat sie den Lehrstuhl für Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Tanja Penter ist Autorin zahlreicher Zeitschriftenbeiträge zur Geschichte Russlands und der Ukraine und war unter anderem Lise-Meitner-Stipendiatin des Landes Nordrhein-Westfalen sowie Pearl Resnick postdoctoral fellow am US Holocaust Memorial Museum in Washington D.C.. Ihre aktuellen Forschungsinteressen konzentrieren sich auf die Geschichte Russlands, der Ukraine und der Sowjetunion im 19. und 20. Jahrhundert, Diktaturvergleich, Fragen von transitional justice und Wiedergutmachung für NS-Unrecht in der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten, sowjetische Kriegsverbrecherprozesse sowie Wissenschaftsgeschichte im Zarenreich.
Persönliche Homepage an der HSU Hamburg

Jury:
Univ.-Prof. Dr. Gerhard Botz (Institut für Zeitgeschichte der Univ. Wien)
Univ.- Prof. Dr. Josef Ehmer (Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Univ. Wien)
Prof. Dr. Rüdiger Hachtmann (Berlin)
Prof. Dr. Jörg Roesler (Berlin)
Prof. Dr. Claudia Ulbrich (Friedrich-Meinecke-Institut, Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften der FU Berlin)
Univ.-Doz. Dr. Berthold Unfried (ITH & Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Univ. Wien)


Der René Kuczynski-Preis

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