ITH-Informationen
Die ITH veröffentlicht in loser Folge Mitteilungen zu aktuellen Themen und Entwicklungen innerhalb und außerhalb der ITH. Bis 2018 erschien ein regelmäßiger Rundbrief, der hier archiviert ist.
In Memoriam: Brigitte Pellar (1947–2026)
In Memoriam: Brigitte Pellar (1947–2026)
Unsere geschätzte Kollegin Brigitte Pellar, eine namhafte Historikerin der österreichischen Gewerkschaften und anderer Interessensvertretungen der Arbeitnehmer*Innen, ist gestorben. Bis 2007 war sie Leiterin des Instituts für Gewerkschafts- und Arbeiterkammer-Geschichte in der Arbeiterkammer Wien. Zahlreiche Publikationen zeugen von ihrer intellektuellen Produktivität, die auch der Ruhestand nicht schmälerte. Das von ihr gemeinsam mit Johann Dvořák und Sabine Lichtenberger 2025 herausgegebene Werk über den Volksbildner Richard Robert Wagner wurde Anfang 2026 mit dem Bruno-Kreisky-Sonderpreis „Arbeitswelten – Bildungswelten“ ausgezeichnet. Ihre publizistischen und politischen Statements konnte man in Printmedien und Social Media gleichermaßen finden. Auch im persönlichen Gespräch mit ihr wurde stets deutlich, wie enorm ihr Wissen zur Geschichte der Gewerkschafts- und Arbeiterbewegung, insbesondere in Österreich, war. Ihr Tod hinterlässt in diesem in der universitären Geschichtsforschung stark unterrepräsentierten Themenfeld eine große Lücke.
Sie war als langjähriges Kuratoriumsmitglied der ITH aktiv und präsent. Bei den jährlichen Konferenzen in Linz ebenso wie in vorbereitenden Sitzungen brachte sie sich mit ihren Fragen und Kommentaren ein und regte zum Nachdenken und Diskutieren an. Konkret beteiligt war sie etwa an der Organisation der ITH-Konferenzen 2004 (Gnade oder Recht. Entwicklung der sozialen Sicherungssysteme), 2018 (Selbstorganisation und Demokratie am Arbeitsplatz) und 2019 (Arbeit auf dem Land: AkteurInnen, Gesellschaften und Umwelten). In jenen Momenten, als die ITH um ihren Fortbestand bangen musste, hat sie durch Vermittlung und persönliches Engagement entscheidend dazu beigetragen, dass die ITH ihre Arbeit fortsetzen konnte.
Möge sie in unseren Erinnerungen an sie, aber auch in der anknüpfenden Fortführung ihrer Forschungsinteressen weiterleben!
Für die ITH,
Therese Garstenauer
(ITH-Präsidentin)
David Mayer
(ITH-Vizepräsident)
Marcel van der Linden
(ITH-Vizepräsident)
Laurin Blecha
(ITH-Generalsekretär)
61. ITH-Konferenz: Die Natur der Arbeit: Schnittstellen zwischen labour history und politischer Ökologie
61. ITH-Konferenz: Die Natur der Arbeit: Schnittstellen zwischen labour history und politischer Ökologie
17.-19. September 2026, Linz, Oberösterreich
Ort: AK-Bildungshaus Jägermayrhof, Römerstraße 98, 4020 Linz, Österreich
Konferenzsprachen: Englisch /Deutsch
Vorbereitungsgruppe
Marcel van der Linden (Amsterdam), David Mayer (Wien), On Barak (Tel Aviv), Therese Garstenauer (Wien), Laurin Blecha (Wien).
REGISTRIERUNG
Die Anmeldung erfolgt über folgendes Formular:
https://forms.gle/VBFiaaz3hLjhZh4x5
Bitte beachten Sie, dass die Frist für den Early-bird Tarif am 3. Juli 2026 endet.
ZIELSETZUNGEN
Die menschengemachten ökologischen Krisen haben mittlerweile einen Punkt erreicht, an dem aus der Sicht der meisten ErdsystemwissenschaftlerInnen kritische ökologische Schwellenwerte für sechs von neun „planetarischen Grenzen“ überschritten wurden. Vor diesem Hintergrund hat das interdisziplinäre Feld der politischen Ökologie (dessen Ursprünge bis in die 1970er Jahre zurückreichen) einen spektakulären Aufschwung erlebt – sie ist in gewisser Weise zur neuralgischen kritischen Sozialwissenschaft unserer Zeit geworden, in der sowohl akademische als auch politische Anliegen zusammenlaufen. Im englischsprachigen Raum ist die politische Ökologie stark von historischen Perspektiven mitgeprägt worden, wobei mehrere AutorInnen die Zusammenhänge zwischen Rohstoffgewinnung, Energieträgern (insbesondere fossilen), der Übernutzung von Ressourcen, kapitalistischer Wirtschaftsentwicklung und Ausbeutung hervorgehoben haben.
Zugleich wird von KommentatorInnen noch immer ein mangelnder Austausch zwischen labour history und politischer Ökologie konstatiert. Auch wenn es in den letzten Jahrzehnten bereits eine Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten an der Schnittstelle von „Arbeitsgeschichte“, „Umweltgeschichte“ und „politischer Ökologie“ gab, erscheint es gleichermaßen angezeigt wie notwendig, labour history und historische politische Ökologie in einen strukturierteren Dialog zu bringen. Dabei sollen sowohl bisherige Forschungen an der Schnittstelle beider Disziplinen einer Bestandsaufnahme unterzogen als auch künftige Wege erkunden werden. Die Konferenz beleuchtet in diesem Sinne ein breites Spektrum an Themen und Ansätzen – vom Carbon Nexus bis zu agrarökologischen Fragestellungen, von toxischer Arbeit über ökologisch bedingte Arbeitskämpfe bis hin zur Diskussion über die Arbeit nicht-menschlicher Spezies. Sie wird dabei vom Grundsatz geleitet, dass „Arbeit“ als eine der wichtigsten Differenzierungskategorien in vergangenen und aktuellen ökologischen Dilemmata gelten kann.
PROGRAMM
Donnerstag, 17. September 2026
Anmeldung der TeilnehmerInnen am Tagungsort (ab 15:00)
13.30–15.30 Sitzung des ITH-Vorstandes und des Internationalen Wissenschaftlichen Beirats
15.30–16.00 Pause
16.00–17.00 ITH Generalversammlung
17.30–18.00 Konferenzeröffnung
Therese Garstenauer, ITH-Präsidentin
Martina Jungert, Arbeiterkammer Oberösterreich
TBA, Stadt Linz
18.00–19.30 Keynote lecture
Jason Moore (Binghamton University): Die Klima-Klassen-Konjunktion oder der weltweite Klassenkampf im Lebensnetz: Klima und Klasse auf dem „wirklichen Geschichtsboden“
19.30–21.00 Eröffnungsempfang des Bürgermeisters der Stadt Linz
Freitag, 18. September 2026
09.00–11.00 Panel I: Carbon Nexus
Vorsitz und Kommentar: On Barak
▪ Azar Kafaee (University of Michigan): Ölförderung und agrarischer Wandel: British Petroleum und tribe im Süden des Iran 1900–1950
▪ Joe Rigby (University of Chester): Kohle aus Cumbria und kapitalistische Weltökologie: Soziale und ökologische Spannungen im Zuge sich wandelnder Warenregime
▪ Jary Koch (Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam): Stoffumwandlung und Alltag: Arbeit und Ökologie in der westdeutschen chemischen Industrie in den 1960er bis 1980er Jahren
▪ Limin Teh (Leiden University): Zwischen Arbeitsprozess und Sozionatur: Arbeitsplatz, Mechanisierung und Kohlebergbau in der Mandschurei unter japanischer Herrschaft
11.00–11.15 Kaffeepause
11.15–13.45 Panel II: Agrarökologien
Vorsitz und Kommentar: Marcel van der Linden
▪ Kartika Natalia Manurung (Universität Bonn): Räumlich strukturierte Arbeitsregime auf indonesischen Palmölplantagen
▪ John Emrys Morgan & Nye Merrill-Glover (beide University of Bristol): Körperlichkeit und Ökologie in Feuchtgebieten der Frühen Neuzeit
▪ Harm Zwarts (University of Groningen): Wer kontrolliert das Saatgut? Landwirte, Biodiversitätsverlust und ungleiche Machtverhältnisse in der niederländischen Landwirtschaft, ca. 1930–1990
▪ Matan Kaminer and Ayan Meer (beide Queen Mary University London): Klimamigration: Ein Klischee entlarven und eine neue Politik entwickeln
▪ Tomasz Kargol (Jagiellonian University, Krakau): Politische Ökologie und Arbeitsgeschichte im habsburgischen Galizien und in Südpolen im 19. und 20. Jahrhundert (bis 1939) am Beispiel des Wasserbaus und der Bodenverbesserung
13.45–15.00 Mittagessen
15.00–17.00 Panel III: Toxische Arbeit
Vorsitz und Kommentar: David Mayer
▪ Clément Fontanarava (Paris 1 Panthéon-Sorbonne): „Working Oil“: Eine Umweltgeschichte der Arbeitswelt in der Raffinerie La Mède, Frankreich, 1934–1940
▪ Bastien Cabot (Sciences Po): Eine Form des „labour environmentalism“? Der Umgang mit industriebedingten Umweltgefahren in den Pariser Vororten der Zwischenkriegszeit
▪ Alex Nagel (Freier Wissenschaftler, Amsterdam): Auflehnung gegen Umweltzerstörung und Inklusionspolitiken: Politische Ökologie und Widerstand von Industriearbeitern in den Vereinigten Staaten der 1970er Jahre
▪ Anusha Sundar (Columbia University): Den Körper zum Sprechen bringen: ArbeiterInnen und Krise in Madras, 1861–1874
17.00–17.15 Kaffeepause
17.15–18.45 Panel IV: Umkämpfte Übergänge
Vorsitz und Kommentar: Therese Garstenauer
▪ Felix Wagenitz (Universität Wien): Die Politisierung der Produktion: Gewerkschaftlicher Widerstand, Konversionskämpfe und Machtverhältnisse am Arbeitsplatz in der deutschen Automobilindustrie, 1970–1990
▪ Girigan Gabriel (Lucian Blaga University, Sibiu, Rumänien): Gefährliche und prekäre Arbeitsbedingungen in der Forstwirtschaft in den Karpaten
▪ Bridget Kenny and Simon Gush (beide University of the Witwatersrand): Von Mülldeponien, Gemüse und Containertürme: „City Deep“ als Raum für Kapital, Arbeit und Natur in Johannesburg, Südafrika
18.45–19.30 Abendessen
19.30–20.30 Abendveranstaltung
Titel TBA
Gäste:
Aaron Niederman, Rosa Luxemburg Stiftung
Lukas Oberndorfer, Arbeiterkammer Wien
Moderation: David Mayer
Samastag, 19. September 2026
09.00–11.00 Panel V: Multispecies Labour
Vorsitz und Kommentar: Ernst Langthaler
▪ Juri Auderset (Universität Bern): Die Natur durch die Arbeit von Tieren verstehen: Agroökologische Arbeitslandschaften und die umkämpfte Epistemologie zu Arbeitstieren in der Schweiz, 1820er–1940er Jahre
▪ Jelena Micić (Akademie der bildenden Künste Wien): Arbeitende Natur in der Welt der Blockfreien: Tiere, Arbeit und visueller Überschuss bei Leda Footwear und Plastics Industry
▪ Jadon Nisly-Goretzki (Universität Kassel): Arbeitende Kühe, ihre BäuerInnen und Aulandschaften, die sie nährten
▪ Sanjay K. Paul (Harvard University): „Yankee Schädlinge“: Der Befall durch den „Army Worm“ im Jahr 1864 und die Ökologie die Abschaffung der Sklaverei im Mississippi-Tal
11.00–11.15 Kaffeepause
11.15–13.15 Panel VI: Verkörperte Ökologien
Vorsitz und Kommentar: Susan Zimmermann
▪ Muhammed Junaid (University of Hyderabad): Ökologien der Kriegskunst: Arbeit, politische Ökologie und die Heranbildung von Mappila-Soldaten im kolonialen Südasien, 1896–1907
▪ Adrian A. Smith (York University): Hitze und Schreckensherrschaften: Arbeitsregime in der Landwirtschaft und die Grenzen zwischenMensch und Planet
▪ Anna Sailer (Georg-August-Universität Göttingen): Aufstieg und Niedergang von Genossenschaften der Waldarbeiter im postkolonialen Indien, 1950er–1970er Jahre
▪ Marten Dondrop (Harvard University): Umweltrisiken und die Vergleichbarkeit von Arbeitskräften: Koloniale Transportarbeiter als Risikomanager, ca. 1750–1850
13.15–14.30 Mittagessen
14.30–14.50 Zusammenfassung und Perspektiven
On Barak (Tel Aviv) und Ernst Langthaler (Linz)
14.50–15.30 Abschlussdiskussion
Moderation: Marcel van der Linden, David Mayer und On Barak
In Memoriam: Univ. Prof. Dr. Anton Pelinka (1941–2025)
In Memoriam: Univ.-Prof. Dr. Anton Pelinka (1941–2025)
Mit großer Trauer geben wir das Ableben von Univ.-Prof. Dr. Anton Pelinka (1941–2025), geschätztes Mitglied unseres International Scientific Board, bekannt. Er ist am vergangenen Wochenende verstorben.
Prof. Pelinka war einer der führenden Politikwissenschaftler Österreichs und eine prägende Stimme in der Auseinandersetzung mit Demokratie, der er sich mit lebenslangem Engagement für ihre Bewahrung widmete. Über mehr als drei Jahrzehnte lehrte und forschte er am Institut für Politikwissenschaft der Universität Innsbruck und prägte dort Generationen von Studierenden und Wissenschaftler. Einen Nachruf seiner Kolleg am Institut für Politikwissenschaft der Universität Innsbruck finden Sie hier:
https://www.uibk.ac.at/de/newsroom/2025/anton-pelinka-verstorben/
Wir werden Prof. Pelinka in Dankbarkeit und Respekt in Erinnerung behalten.
Für die ITH,
Therese Garstenauer
(ITH-Präsidentin)
&
Laurin Blecha
(ITH-Generalsekretär)
Neue Präsidentin und Generalsekretär
Therese Garstenauer ist auf der Generalversammlung am 22. September 2022 zur neuen Präsidentin der ITH gewählt worden und Laurin Blecha zum neuen Generalsekretär. Als neues Führungsteam der ITH möchten wir uns ganz herzlich bei Susan Zimmermann und Rolf Bauer für ihre Arbeit und Engagement für die ITH bedanken. Beide haben die ITH mit sichern Händen durch schwierige Zeiten geführt und wir hoffen, den erfolgreichen Weg weiterführen zu können. Vielen Dank Susan und Rolf!
Therese Garstenauer & Laurin Blecha
Nested Internationalisms. New Perspectives on Labour Activism Across Borders and Boundaries
Nested Internationalisms. New Perspectives on Labour Activism Across Borders and Boundaries
AMSAB organisiert in Kooperation mit der ITH eine Konferenz, die von 3. bis 4. Juni 2022 in Gent (Belgien) stattfinden wird: “Nested Internationalisms. New Perspectives on Labour Activism Across Borders and Boundaries.” Sie können den CfP in englischer als auch in spanischer Sprache abrufen. Hier finden Sie das Programm.
Konferenzmanagement
Laurin Blecha hat im Juni 2021 die Agenden von Charlotte Rönchen übernommen und ist somit für das Management der ITH Konferenz zuständig. Herzlich willkommen Laurin!
Mark Your Calendars!
Die Termine für die ITH Konferenzen der Jahre 2022 und 2023 stehen fest: 22.–24.09.2022 und 07.–09.09.2023. Die Konferenzen werden wie gewohnt im AK-Bildungshaus Jägermayrhof in Linz stattfinden.
Rundbrief 55/1 (Dezember 2018)
1. Editorial
2. Beschlüsse der ITH-Gremien
3. Tagungsbericht der 54. ITH-Konferenz: „Selbstorganisation und Demokratie am Arbeitsplatz: Partizipation, ArbeiterInnenkontrolle und Selbstverwaltung in globaler Perspektive“
4. Neue ITH-Mitgliedsinstitute
5. Herbert-Steiner-Preisträgerinnen 2018
6. Nachruf: Claudie Weill (1942-2018)
7. Nachruf: Hans Hautmann (1943-2018)
8. Erster Weltkrieg – ArbeiterInnenbewegung – herrschaftskritische Geschichtsschreibung: Kolloquium zur Erinnerung an Hans Hautmann
9. Ankündigungen, Hinweise, Neuerscheinungen
Rundbrief 54/1 (April 2018)
1. Editorial
2. Beschlüsse der ITH-Gremien, Personalia
3. Tagungsbericht zur 53. ITH-Konferenz: „Welten der Arbeit auf den Kopf gestellt – Revolutionen und Arbeitsbeziehungen in globalhistorischer Perspektive“
4. Auszeichnung der Republik Österreich und Festschrift für Winfried R. Garscha
5. Herbert-Steiner-Preisträgerinnen 2017
6. Nachruf: Helga Grebing (1930-2017)
7. Nachruf: Narihiko Ito (1931-2017)
8. Ankündigungen, Hinweise, Neuerscheinungen
Rundbrief 53/2 (September 2017)
1. Editorial
2. Beschlüsse des ITH-Vorstandes und Bericht über den Workshop
3. Report on the First Conference of the Global Labour History Network (GLHN)
4. Gedenkzeichen „12. Februar 1934“
5. ITH-Publikationen Online
6. Nachruf: Henryk Skrzypczak (1926-2017)
7. Wir trauern um Cvetka Knapic-Krhen (1930-2016)
8. Workshop „ArbeiterInnenbewegung, ungleiche Entwicklung und Migration in Europa“
9. IALHI and WORKLAB Conference 2017 (6-9 September 2017, Ghent)
10. 2nd European Labour History Network Conference (2-4 November 2017, Paris)
11. Ankündigungen, Hinweise, Neuerscheinungen

