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Nachruf: Narihiko Ito (1931 – 2017)

Am 29. November 2017 ist Narihiko Ito – langjähriger, aktiver Teilnehmer an den ITH-Konferenzen und bis 2012 Mitglied des Internationalen Wissenschaftlichen Beirates der ITH – nach längerer schwerer Krankheit im Alter von 86 Jahren in Tokio verstorben. In Bezug auf seine Lebensleistung verweise ich auf meinen Glückwunsch zu seinem 80. Geburtstag im ITH-Rundbrief 48 (1), Januar 2012.

In den letzten Jahren ließ seine Schaffenskraft leider erheblich nach. Nichtsdestotrotz veröffentlichte er noch 2014 einen japanischen Band mit ausgewählten Referaten der Konferenzen der Internationalen Rosa-Luxemburg-Gesellschaft (IRLG) in Tokio, Berlin, Moskau und Paris (2007, 2009, 2011, 2013) unter seiner alleinigen Herausgeberschaft. Zu seinem 85. Geburtstag am 26. Oktober 2016 überreichte ihm die Internationale Rosa Luxemburg-Gesellschaft, deren Gründungsvorsitzender er war, eine gläserne Plakette, über die er sich noch sehr freuen konnte.

Zweifelsohne haben die politischen Entwicklungen in den letzten Jahren sowohl in Japan, als auch in den beiden Koreas zur Verschlechterung seines Gesundheitszustands beigetragen, denn als Friedensaktivist der ersten Stunde sah er damit sein Lebenswerk gefährdet. Er war ein persönlicher Freund des 2009 verstorbenen südkoreanischen Präsidenten und Friedensnobelpreisträgers Kim-Dae Jung, dessen Sonnenscheinpolitik erst seit 2017 von seinem früheren Mitarbeiter und jetzigen Präsidenten Moon Jae-In fortgesetzt wird. Währenddessen in Japan Ministerpräsident Shinzo Abe im Oktober 2017 mit überwältigender Mehrheit wieder gewählt wurde und dabei ist, Japan endgültig zu einer Militärmacht auszubauen und den Artikel 9 der Verfassung, der Japan verbietet, eine Armee zu haben, abzuschaffen. Narihiko Ito hat sich in seinem Buch Der Friedensartikel der japanischen Verfassung – Für eine Welt ohne Krieg und Militär (Münster, Agenda Verlag 2006) vehement für den Erhalt dieses Artikels eingesetzt. Man kann nur hoffen, dass seine zahlreichen Freunde und Schüler in diesem Kampf für Frieden und internationale Solidarität nicht nachlassen, sondern im Gegenteil angespornt werden. Die Internationale Rosa Luxemburg-Gesellschaft hat sich mittlerweile neu konstituiert und wird sein Vermächtnis erhalten und weiter pflegen.

Prof. em. Dr. György Széll
Fachbereich Kultur- und Sozialwissenschaften
Universität Osnabrück/Deutschland