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Nachruf: Hans Hautmann (22. August 1943– 3. Juli 2018)

Während seiner Tätigkeit an der Linzer Johannes-Kepler-Universität zwischen 1969 und 2005 war Hans Hautmann eine der „Stützen“ des Organisationsteams der ITH.

Hans Hautmann entstammte einer Wiener Arbeiterfamilie. Im April 1945, in den Tagen der Befreiung Wiens, ernannte die sowjetische Kommandantur Hautmanns Vater Rudolf zum Chef des Polizeilichen Hilfsdienstes für die der Stadt Wien, d.h. de facto zum ersten Wiener Polizeipräsidenten. Hautmanns Mutter Leopoldine war in den 1970er- und 1980er-Jahren ehrenamtliche Mitarbeiterin des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW). Von 1966 bis 1968 – während seines Studiums der Geschichte und Germanistik an der Universität Wien – arbeitete auch Hans Hautmann selbst ehrenamtlich im erst wenige Jahre zuvor gegründeten DÖW. Er wirkte am Aufbau der Bibliothek mit.

Hautmanns 1968 fertiggestellte Dissertation über die Anfänge der linksradikalen Bewegung und der Kommunistischen Partei Deutschösterreichs 1916-1919 erschien 1971 als Buch unter dem Titel „Die verlorene Räterepublik“. 1969 berief der Linzer Universitätsprofessors Karl R. Stadler Hautmann als Assistent an das neu gegründete Institut für Neuere und Zeitgeschichte der Johannes-Kepler-Universität. Hier war er im Lauf der folgenden Jahre neben seiner Lehrtätigkeit auch am Ludwig-Boltzmann-Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung tätig. Dieses Institut betreute in den ersten anderthalb Jahrzehnten der ITH die Protokollbände der Linzer Konferenzen, die auch die mündliche Diskussion in gekürzter, redigierter Fassung wiedergaben. An dieser mühevollen Arbeit war Hans Hautmann ebenso beteiligt, wie an der organisatorischen Durchführung der Konferenzen selbst.

An der Universität Linz startete – trotz Angriffen auf ihn wegen seiner Zugehörigkeit zur KPÖ – Hautmanns wissenschaftliche Karriere: Nach mehreren Veröffentlichungen insbesondere zur Geschichte der österreichischen ArbeiterInnenbewegung habilitierte er sich 1982 mit einer Arbeit über die Geschichte der Rätebewegung in Österreich 1918-1924 (1987 als Buch erschienen und bis heute ein Standardwerk) zum Universitätsdozenten. 1988 erhielt er die Assistenzprofessur; 1997 wurde ihm der Titel eines außerordentlichen Universitätsprofessors verliehen. 1996-1998 und 2000-2005 war er Vorstand des Instituts für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte der Universität Linz.

Auch im außeruniversitären Bereich war Hans Hautmann aktiv. Er war Mitglied der Historischen Kommission beim ZK der KPÖ sowie Gründungsmitglied der Alfred Klahr Gesellschaft, die sich seit 1993 mit der wissenschaftlichen Erschließung des Archivs der KPÖ befasst und der er bis 2005 als Präsident vorstand. Im selben Jahr trat er auch an der Universität Linz in den Ruhestand. Zahlreiche zeitgeschichtliche Beiträge – vor allem für Publikationen der Alfred Klahr Gesellschaft, aber auch für Sammelbände des DÖW – sollten folgen.

Hautmanns Forschungsschwerpunkten entsprechend widmeten ihm FachkollegInnen und WeggefährtInnen 2013 – aus Anlass seines 70. Geburtstags – die Festschrift „Geschichtsschreibung als herrschaftskritische Aufgabe: Beiträge zur ArbeiterInnenbewegung, Justizgeschichte und österreichischen Geschichte im 20. Jahrhundert“, die von seiner Ehefrau Claudia Kuretsidis-Haider und Manfred Mugrauer herausgegeben wurde.

Winfried R. Garscha (Wien)