HINTERGRUND UND ZIELSETZUNGEN
Den Ausgangspunkt der Tagung bildet die Frage nach der Präsenz von
Arbeiterbewegungen im Repertoire der Vergegenwärtigung von Vergangenheit
(„kollektive Erinnerung“). In der Flut an Debatten und Publikationen,
welche der Aufstieg des Konzepts „kollektiver Erinnerung“ in
den letzten beiden Jahrzehnten ausgelöst hat, blieb die Rolle der Arbeiterbewegungen
weitgehend unkonturiert; zumeist wurde sie gar nicht thematisiert.
In der Konferenz soll untersucht werden, welche Erinnerungsmuster über
Arbeiterbewegungen in die „kollektive Erinnerung“ wie und von
wem eingespeist wurden und welche Veränderungen diese Erinnerungsprozesse
in den vergangenen Jahren erfuhren. Stehen in Europa etwa die sozialen Emanzipations-bestrebungen
im Mittelpunkt der Erinnerung, ist es der Beitrag der Arbeiterbewegungen
bei der Formierung von Sozialstaaten und bei der Schaffung relativ homogener
Gesellschaften in Europa - oder spielen ganz andere kognitive und affektive
Denktraditionen eine Rolle?
Auf der einen Seite soll der Blick auf die „Erinnerung“ an Arbeiterbewegungen
und soziale Bewegungen in einzelnen Staaten und Regionen und ihren Niederschlag
im Inventar „globaler“ Erinnerung gerichtet werden. Auf der
anderen Seite wird das Augenmerk auf erinnerungspolitische Strategien gelenkt,
die diese Bewegungen selbst entwickelt haben.
Waren Arbeiterbewegungen - im Sinne von Bewegungen, die in größere
Zusammenhänge historischer Entwicklung eingebunden waren - prägend
für erinnerungspolitische Strategien politischer Bewegungen überhaupt?
Wie positionieren sich
Arbeiterbewegungen und soziale Bewegungen weltweit in dem Versuch, der Gegenwart
durch den Blick auf die Vergangenheit eine Perspektive auf die Zukunft zu
verschaffen? Ist diesem erinnerungspolitischen Zusammenhang durch das neue
Erinnerungsregime, in dem die Perspektive auf die Zukunft hinter dem Blick
auf die Vergangenheit verschwindet, die Grundlage abhanden gekommen?
Vorbereitungskomitee:
Koordinator: Jürgen Mittag (Institut
für soziale Bewegungen, Ruhr-Univ. Bochum)
Bruno Groppo (Centre d'Histoire Sociale, Université de Paris
I)
Eva Himmelstoss (ITH)
Jürgen Hofmann (Historische Kommission der LINKEN, Berlin)
Silke Neunsinger (Arbetarrörelsens arkiv och bibliotek, Stockholm)
Berthold Unfried (ITH & Institut für Wirschatfs- und Sozialgeschichte,
Univ. Wien)
Marcel van der Linden (IISG Amsterdam)
Kontakt:
Eva Himmelstoss
International Conference of Labour and Social History (ITH)
Altes Rathaus, Wipplingerstr. 6-8, A-1010 Wien, Österreich
E-Mail: ith@doew.at