ith logo
Arbeiterbewegungen in globalen Erinnerungsprozessen / The Memory of Labour

Abstracts
(in der Sprache, in der die Referate gehalten werden)

 
»»Hyun-Back Chung
»»Nick Dyrenfurth
»»Bernd Faulenbach
»»Bruno Groppo / Filippo Focardi
»»Mario Keßler
»»Helmut Konrad
»»Tomasz Kozłowski
»»Berthold Molden
»»Ratna Saptari
»»Enzo Traverso
»»Andreas Eckert
»»Jürgen Kocka
»»Gerardo Leibner
»»Ulla Manns


Hyun-Back Chung (Sungkyunkwan University, Seoul, South Korea)

Chun tae-il Myth in the Memory of South Korean Society
Chun tae-il was a 22 year old young worker, who burned himself to death in order to protest the inhuman working conditions of workers in small confection industries in Peace market, Seoul. His death in the year 1970 awoke the intellectuals and students who until that time concentrated their struggles mainly on the democratization from military dictatorship. It was the starting point of the South Korean labour movement, which had been strictly forbidden under the brutal anti-communist law since the division of the country in 1945.

In the year of 2005 the Chun tae il-Street and his (sculpture) bust were built at a newly constructing park called ‘chongyechun’, in downtown of Seoul. This constructing process showed complicated interests and memory politics in South Korean society. This research will try to analyse the tensions that exist surrounding the institutionalization of the memory of Chun Tae Il and making him a symbol of worker’s protest movement. This work will indicate not only the memory struggle concerning the history of labour movement but also the collective identity of South Korean society in relation to labor questions representatively.


Nick Dyrenfurth (University of Sydney, Australia)

‘Socialism is being mates’: ‘Mateship’ and the Cultural Politics of the fin de siècle Australian Labour Movement
The ideal of ‘mateship’ is a frequently claimed for Australian value. Mateship has come to describe the allegedly deep bonds of equality, loyalty and solidarity – what much of the world generally perceives of as merely ‘friendship’ – between groups of two or more Australians, usually men. In Australia the term ‘mate’ is also a form of address; a key element of what historians characterise as that nation’s distinctive ‘egalitarianism of manners’. Deeds of mateship have been cited during times of crisis such as war, but are also claimed to be practiced in the everyday workplace and community life of Australians. Indeed, historically, mateship has been ascribed a working class meaning. It was lauded, for instance, by the radical labour movement propagandist William Lane as akin to ‘socialism’ and is generally associated with the cultural memory of the Australian Labor Party. In more recent times it has come to be associated with the rhetoric of former conservative Prime Minister John Howard. While mateship is not a uniquely Australian virtue, aspects of its antipodean deployment are undoubtedly distinctive, in particular its heavy politicisation. This paper provides a case study examining the first politically inspired ‘hijack’ of the ideal by the Australian labour movement during the period between the 1890s and the First World War. I explore why movement propagandists such as Lane tied mateship to ideals of unionism and, to an extent, that of socialism. Later I show how, during the tumult of the Great War, the labour movement arguably lost control of the ideal, as conservatives appropriated mateship as a means of campaigning for military conscription.


Bernd Faulenbach (Ruhr-Universität Bochum)

Die deutsche Sozialdemokratie in den geschichtspolitischen Auseinandersetzungen der 1970er und 1980er Jahre
Die SPD hat zu keiner Zeit nach 1945 ein geschlossenes Geschichtsbild auszubilden versucht. In den 60er Jahren und in den 70er Jahren gab es in der deutschen Sozialdemokratie und ihren Umfeldern so etwas wie einen „ahistorischen Progressismus“, der mit rationalbegründeten Machbarkeitsvorstellungen verbunden war. In den 70er und 80er Jahren verstärkte sich in der deutschen Sozialdemokratie das Interesse an der Geschichte der Arbeiterbewegung. Bedeutsam war der Aufbau des Archivs der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung. Symptomatisch für das neue Interesse an Geschichte war die Reaktivierung der Arbeitsgemeinschaft verfolgter Sozialdemokraten (1979) und die Gründung der Historischen Kommission beim Parteivorstand der SPD (1981), bei der das Ziel der Identitätsvergewisserung in schwieriger Zeit ebenso eine Rolle spielte wie die wachsende Bedeutung von Kultur und der daraus abgeleiteten Frage der „kulturellen Hegemonie“.

Der Sozialdemokratie kam in den großen geschichtspolitischen Auseinandersetzungen in der Bundesrepublik der 80er Jahre (Historikerstreit, Auseinandersetzungen um das Haus der Geschichte und das Deutsche Historische Museum sowie über Gedenkstätten) zu Gute, dass nicht wenige Zeit- und Sozialhistoriker mit der Sozialdemokratie und ihrer Reformpolitik sympathisierten. Sie akzentuierten mit Jürgen Habermas die Gegenwartsbedeutung des NS und seiner Verbrechen, und manche übernahmen auch dessen postnationale Positionen. Von Bedeutung war auch die Abwendung von der Totalitarismustheorie, deren wissenschaftliche Erklärungskraft sichtlich begrenzt war und die auch politisch nicht gewollt war, da man auf die Wandelbarkeit der kommunistischen Systeme hoffte.

Die sozialdemokratische Partei griff während der 80er Jahre Impulse der Geschichtswerkstättenbewegung, der „Grabe-wo-Du-stehst-Bewegung“ u.a. auf, die Geschichte „von unten“ zu erforschen suchte. Dabei entstanden nicht nur manche Ortsvereinsgeschichten, sondern auch Arbeiten, die die NS-Zeit, insbesondere Widerstand und Verfolgung, „vor Ort“ thematisierten und teilweise auf die Einrichtung von Gedenkorten zielten. Zwar standen die „Barfußhistoriker“ den Grünen nahe, doch auch in der deutschen Sozialdemokratie entwickelte sich in den 80er Jahren eine Art Geschichtsbewegung, die zur Stärkung des geschichtlichen Bewusstseins beitrug.

Beachtliche Resonanz in der Öffentlichkeit erzielte die SPD mit den – Geschichte und Politik verknüpfenden – Foren der Historischen Kommission, von denen die Veranstaltung mit DDR-Historikern (1988) „Erben deutscher Geschichte“ die spektakulärste war. Aufs Ganze gesehen ist es Helmut Kohl nur bedingt nach 1982 gelungen, eine „geistig-moralische Wende“ auf geschichtspolitischem Feld durchzusetzen. Es kam nicht zur Restauration eines traditionellen Geschichtsbewusstseins. Dazu trugen nicht zuletzt die Sozialdemokratie und Historiker und die neue Geschichtsbewegung bei.


Bruno Groppo (Centre d'Histoire Sociale du XXème Siècle, Paris)
Filippo Focardi (Department of Historical and Political Studies, University of Padua)

The Changing Memories of World War II and Resistance in Italy and France:
A Comparative View

One of the main topics of this paper is the weakening of the “glorious memory” of the Resistance (and antifascism) in Italy and France, and the appearance of memories that had been marginalized for decades because they did not fit well in the dominant narratives focused on the Resistance (e.g., memories of the persecution and deportation of the Jews, of various massacres of civilians by German troops, divided memories in the border regions between Italy and the former Yugoslavia, memories of colonial massacres). This shift in the focus of memory has been strongly influenced, both in Italy an in France, by the collapse of communism after 1989.

The paper will analyze in a comparative way the Italian and the French case, with some references to Germany as far as the question of the antifascist memory is concerned. We shall show how the memory of the Resistance was constructed and transmitted, in particular by labour organizations, and how it functioned as a fundamental instrument of legitimation and identity, until it entered into a long-lasting crisis. We shall also analyze the articulation between the memory of the Resistance and the memories of communism, before and after the fall of the Berlin wall.


Mario Keßler (Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam)

Die Historiographie der Arbeiterbewegung – von der Erinnerungskultur zur Erinnerung an eine Zukunft
Die Arbeiterbewegung mitsamt ihrem politischen und kulturellen Selbstverständnis ist heute nur noch ein Teil der weltweiten Sozialbewegung, die um die grundlegende Verbesserung der Lebensbedingungen abhängig Beschäftigter kämpft. Ihre historische Leistung zumindest in den Industriestaaten besteht darin, dass ohne sie die bürgerliche Demokratie weder durchgesetzt noch durch eine soziale Demokratie untermauert worden wäre. Die Arbeiterbewegung verhinderte auch eine lang anhaltende Allianz von bestimmten Fraktionen der Bourgeoisie mit dem Faschismus. Als gesellschaftlich entscheidende Klasse, die den Kapitalismus historisch beerben würde, ist jedoch ihr einstiger Träger, das Industrieproletariat, aus der Geschichte weitgehend verschwunden, obgleich die Proletarisierung von Teilen der unteren Mittelklassen hier neue Konstellationen schaffen können.

Die Historiographie der Arbeiterbewegung muss deshalb, zumal nach den Erfahrungen von 1989, auf die Zuschreibung einer historischen Mission an die Adresse der Arbeiterbewegung verzichten. Dennoch ist die Geschichte der Arbeiterbewegung weit mehr als die Rekonstruktion einer ruhmvollen oder widersprüchlichen Vergangenheit. Solange die sozialen Fragen, zu deren Lösung die Arbeiterbewegung angetreten war, ganz oder teilweise noch ungelöst sind, solange wird es entsprechende Sozialbewegungen geben, die ohne die Erfahrungen der Arbeiterbewegung nicht zu denken sind. In diesem Sinn ist die Historiographie der Arbeiterbewegung Teil des sozialen Gedächtnisses all jener, die nach Antworten auf drängende soziale Probleme in Sinne einer Gesellschaftsveränderung suchen. Die Historiographie der Arbeiterbewegung bleibt auch zukünftig ein Stachel im Fleisch derer, die den Status quo als beste aller möglichen Welten ansehen.


Helmut Konrad (Universität Graz)

Geschichtspolitik der österreichischen Sozialdemokratie in den 1970er und 1980er Jahren
In der Geschichte der Arbeiterbewegung kommt Österreich ein Platz zu, der größer ist als jener von vergleichbaren Ländern. Das hat damit zu tun, dass hier die Theorieentwicklung entscheidend vorangetrieben wurde (Stichwort Austromarxismus), dass hier modellhaft Alltagskultur etabliert wurde (Stichwort Rotes Wien) und dass es zentrale Gedächtnisorte (Stichwort Februar 1934) beherbergt.

Daher hat, trotz aller Beengtheit der akademischen Welt in diesem Land, Arbeitergeschichte in den fünfziger (Verein für Geschichte der Arbeiterbewegung) und sechziger (ITH, Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung, DÖW) signifikanter Fuß fassen können als in anderen Ländern. Das Fach Zeitgeschichte galt als „links“, für Jahrzehnte hatten (fast) alle Lehrstuhlinhaber eine nicht nur inhaltliche, sondern meist auch institutionelle Nähe zu den Organisationen der Arbeiterbewegung. Dies hatte eine Ursache auch in der Förderung des Faches in der Kreisky-Ära durch Hertha Firnberg.

Allerdings wurde von dieser Position aus der Paradigmenwechsel von der Ideen- und Organisationsgeschichte hin zur Sozial- und Kulturgeschichte etwas verschlafen, was dem Fach für einige Zeit dramatisch die Attraktivität entzog. Linz etwa hatte das Monopol als Begegnungsort verloren, und im Jahr 2009 als Kulturhauptstadt war das „Hotel Schiff“ ein „Ort der Stille“, ohne jeden Bezug auf den Februar 1934. Nur in Wien hat sich die Arbeiterbewegung in einem Ausmaß materiell in die Stadt eingeschrieben, dass sie integraler Teil der Stadtrepräsentation sein muss.


Tomasz Kozłowski (Warsaw University)

The Memory of the Polish Independent Self-Governing Trade Union ‘Solidarność’
The paper focuses on how Polish society recalls the Independent Self-Governing Trade Union Solidarność and its activity in 1980-1989. Solidarność was founded in 1980. Before that, in Communist Poland, there were some structures called trade unions but they differed significantly from their popularly accepted role. In fact, they were controlled by the authorities, being apathetic about workers’ interests. Seeing that, in 1980, the shipyard workers demanded a right to organize independent labor unions. That was the beginning of the biggest phenomenon of the 20th century Polish history. Over 9 million people signed it up (it is estimated that every second adult Polish citizen was its member). I am going to present how Poles recall Solidarność movement and how they evaluate its role. For many, that trade union became an organization that, with its actions of defending workers’ rights, went beyond peoples’ expectations. Solidarność was fighting for human rights and country’s independence. In my analysis I am going to use the latest opinion polls. I will also focus on the question of creating the historical policy on Solidarność.


Berthold Molden (Wien)

Historische Bezugspunkte der Antikolonialbewegung
In seinem Buch über die Afro-Asiatische Konferenz, die im April 1955 die indonesische Stadt Bandung zum ersten Kulminationspunkt einer transkontinentalen post- und antikolonialen Ermächtigungspolitik machte, beobachtete der afroamerikanische Schriftsteller Richard Wright an westlichen Medienbeobachtern den völligen Mangel einer „philosophy of history with which to understand Bandung“. Dipesh Chakrabarty ist darin zuzustimmen, dass diese Diagnose auf ein grundsätzliches westliches Missverständnis hinweist: dass der Antikolonialismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in erster Linie eine strategische Form inversen Rassismus sei, mit der dem Westen der Kampf angesagt werde. Tatsächlich findet sich die Angst vor der „Rache der Ausgebeuteten“ häufig als hintergründiges Transkript antikommunistischer Politik im Kalten Krieg – etwa in der Identifikation indigener Gemeinschaften Lateinamerikas als proto-kommunistische Kulturen, die nur darauf warteten, unter dem Einfluss eines internationalen Marxismus die postkolonialen Eliten in den jeweiligen Hauptstädten zu beseitigen. Und auch revolutionärer Internationalismus war ein wesentlicher Diskurs postkolonialen Aktivismus, insbesondere ab den 1960er Jahren, wie sich an Che Guevaras Botschaft an die Trikontinentale Konferenz (Havanna, 1966) ablesen lässt. Dennoch aber war dies nur ein Strang eines komplexen und heterogenen Diskurses, an dem im Laufe des 20. Jahrhunderts zahlreiche und unterschiedliche AkteurInnen Teil hatten. Aufgrund verschiedener Erfahrungshintergründe dieser AkteurInnen, die aus dem postkolonialen Süden ebenso wie aus Europa und den USA stammten, waren auch ihre geschichtspolitischen Argumente höchst unterschiedlich. Dieser Vortrag verortet einige der zentralen antikolonialen Geschichtspolitiken in einer Zeitreihe, die von der Konferenz der anti-imperialistischen Liga 1927 in Brüssel bis in die Gegenwart reicht.


Ratna Saptari (Leiden University / International Institute of Social History, Amsterdam)

Labour, Collective Memory and Nationhood: Spatial Dimensions of the Indonesian Decolonization Process
My paper will reflect on the concept of collective memory as it is used to examine the understanding of the past by looking at stories of organized and unorganized workers in the Indonesian decolonization process. If we follow the nationalist rhetoric in the decolonization process, frequent references are made to workers and the suffering of the people. At the same time labour movements in the decolonization process are unequivocal in their anti-colonial rhetoric, whether they are affiliated to nationalist political parties or not. It is an undeniable fact that despite cultural, ethnic and religious differences, there is a sense of shared national belonging. It is in this sense that studying the collective memory of labour movements, and union leaders on the decolonization process is an exciting and challenging endeavor. The conventional approach would be to look at the process of decolonization and how people in different geographical locations perceive and recollect this process. However critical views on this approach have argued that the construction of collective memory is itself problematic. This paper is based on a collective project (‘Indonesia Across Orders, under the umbrella of the Netherlands Institute for War Documentation’) which examines the role of unions in the ‘vital’ sectors such as the railway, harbour and mining sectors, but also unorganized workers in the ‘informal’ sectors (pedicab drivers and domestic workers) in the decolonization process. Although the project itself did not focus on the formation of collective memory, in this paper, I would like to examine how different historical actors simultaneously represent, receive and contest memory. It is also a reflection on the relationship of individual and collective memory; on the role of geographical difference in nation formation and how this influences perceptions of the past. It also attempts to look at how space (public vs. private) affects the reconfigurations of individual memories and what this can tell us about collective memory.


Enzo Traverso (University of Picardie Jules Verne, Amiens)

European Memories. Entangled Perspectives
By contrast with the two preceding centuries, which were shaped by the impact of the French and Russian Revolutions, the twentieth-first century has begun under the sign of the eclipse of utopias. The disappearance of a visible “horizon of expectation” has generated a charged memory of the twentieth century as a time of violence, totalitarianisms and genocides, encapsulated by the image of their victims. Analyzing the commemorations of May 8, 1945 – the anniversary of the end of the Second World War and of the Sétif massacre – we could distinguish three main spaces that define Europe’s memories: a Western space shaped by the remembrance of the Holocaust; an Eastern space dominated by the legacy of Communism; and a postcolonial space exhuming the continent’s imperial past. In spite of the conflicts that it entails, the conjunction of these different perspectives can prove fruitful both hermeneutically (as a tool for rethinking European history) and politically (as a means of reformulating an idea of citizenship that transcends national divisions).


Andreas Eckert (Institut für Asien- und Afrikawissenschaften, Humboldt-Universität Berlin)

Historische Bezugspunkte der afrikanischen Arbeiterbewegungen
Die Arbeiterbewegungen haben in Afrika die Geschichte der Dekolonisation stark geprägt. Eine Reihe nationalistischer afrikanischer Politiker wie Sekou Touré entstammte der Gewerkschaftsbewegung, sah jedoch bald in der „Labour Question“ kein wichtiges Vehikel für den nationalistischen Kampf mehr. In den jungen Staaten Afrikas sind Arbeiterorganisationen bald an den Rand gedrängt worden. Im Namen der nationalen Einheit und der Nationsbildung wurden etwa Gewerkschaften verboten oder in die herrschenden Parteien „integriert“. Als in diesem Jahr viele afrikanische Staaten den 50. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit begingen, spielten die Arbeiterbewegungen in den entsprechenden Inszenierungen der Erinnerung kaum eine Rolle. Am stärksten ist die Arbeiterbewegung noch in der „kollektiven Erinnerung“ Südafrikas präsent. Der einstige Apartheidstaat verfügte im Gegensatz zu fast allen anderen Ländern südlich der Sahara über eine signifikante Industrie und eine vergleichsweise große Arbeiterschaft. Der Beitrag wird sich daher auf Südafrika konzentrieren, gleichwohl auch andere Beispiele heranziehen. Gefragt werden soll nach dem Platz von Arbeiterbewegungen in der Erinnerungspolitik, aber auch nach den erinnerungspolitischen Strategien einzelner Gruppen und Individuen. Schließlich gilt es, der Rolle afrikanischer Arbeiterbewegungen für globale Erinnerungsprozesse nachzuspüren.


Jürgen Kocka (Friedrich-Meinecke-Institut, Freie Universität Berlin)

Arbeiterbewegungen in der europäischen Erinnerung des 20. Jahrhunderts
In dem Vortrag soll es erstens um die Frage gehen, mit welchen Absichten, in welcher Weise und mit welchem Erfolg die Arbeiterbewegungen seit dem 19. Jahrhundert versucht haben, ihr Bild in der kollektiven Erinnerung – intern und im Hinblick auf die Öffentlichkeiten – zu prägen. Zweitens soll den wichtigsten Entwicklungslinien in den vorherrschenden Bildern von der Arbeiterbewegung unter unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Bedingungen im Wandel des 20. Jahrhunderts nachgespürt werden. Der Vortrag schließt mit der Frage, ob es in Bezug auf die Arbeiterbewegung so etwas wie eine europäische Erinnerung gibt.


Gerardo Leibner (Institute for Latin American History and Culture, Tel Aviv University)

The Memory of Latin American Labour Movements
In this presentation I will explore two main problems:
1. The complex relationship between the memory of the labour movement and the memory of the revolutionary movement. In this analysis I will refer to Peru, Argentina, Uruguay and Chile.
2. The shifts and changes in the representations of the political, social and ideological history of the labour movement from the 1960s until the last decade, as they are reflected in the institutional memory and in the memoirs published by some of its leaders. I will mainly base my analysis on materials from a research on Uruguay.


Ulla Manns (Department of Gender Studies, Södertörn University, Stockholm)

Historico-political Strategies of Feminist Movements
First Wave Scandinavian Feminist got organized simultaneously, eager to on a collective basis radically change conditions for women and contemporary conceptions of gender. Regarded as a social movement, Scandinavian feminist organizations and individuals connected to the movement rapidly produced a great amount of documents that both functioned as political statements and as forceful tools fostering feminists and feminist identities. Journals, protocols, pamphlets, novels, theatre plays etc. were produced, all with the aim to document, foster and participate in an ongoing, often heated debate about gender, power and feminist identity. In this huge source material there are many texts telling the story of the so called woman question in the region, the history of prominent feminists or organizations. In all, Scandinavian feminism was quickly keen on controlling and therefore also producing a history of it-self, on a collective as well as on an individual basis.
This paper presents an analysis of the master narratives produced by Scandinavian feminists during and shortly after the decline of First Wave feminism. The paper discusses the impact of historical consciousness on social movements in general and for feminist identity in particular. The material shows a clear trend towards the writing of a homogeneous history of a movement where internal conflicts are tuned down. The profound importance of men in early Scandinavian feminism is also diminished, as is more radical feminist groups within the movement, groups advocating sexual reforms, left wing liberals, peace workers, not to mention socialists.