Abstracts
(in der Sprache, in der die Referate gehalten werden)
Hyun-Back Chung (Sungkyunkwan
University, Seoul, South Korea)
Chun tae-il Myth in the Memory of South Korean
Society
Chun tae-il was a 22 year old young worker, who burned himself to death
in order to protest the inhuman working conditions of workers in small confection
industries in Peace market, Seoul. His death in the year 1970 awoke the
intellectuals and students who until that time concentrated their struggles
mainly on the democratization from military dictatorship. It was the starting
point of the South Korean labour movement, which had been strictly forbidden
under the brutal anti-communist law since the division of the country in
1945.
In the year of 2005 the Chun tae il-Street and his (sculpture) bust were
built at a newly constructing park called ‘chongyechun’, in
downtown of Seoul. This constructing process showed complicated interests
and memory politics in South Korean society. This research will try to analyse
the tensions that exist surrounding the institutionalization of the memory
of Chun Tae Il and making him a symbol of worker’s protest movement.
This work will indicate not only the memory struggle concerning the history
of labour movement but also the collective identity of South Korean society
in relation to labor questions representatively.
Nick Dyrenfurth (University
of Sydney, Australia)
‘Socialism is being mates’: ‘Mateship’
and the Cultural Politics of the fin de siècle Australian Labour
Movement
The ideal of ‘mateship’ is a frequently claimed for Australian
value. Mateship has come to describe the allegedly deep bonds of equality,
loyalty and solidarity – what much of the world generally perceives
of as merely ‘friendship’ – between groups of two or more
Australians, usually men. In Australia the term ‘mate’ is also
a form of address; a key element of what historians characterise as that
nation’s distinctive ‘egalitarianism of manners’. Deeds
of mateship have been cited during times of crisis such as war, but are
also claimed to be practiced in the everyday workplace and community life
of Australians. Indeed, historically, mateship has been ascribed a working
class meaning. It was lauded, for instance, by the radical labour movement
propagandist William Lane as akin to ‘socialism’ and is generally
associated with the cultural memory of the Australian Labor Party. In more
recent times it has come to be associated with the rhetoric of former conservative
Prime Minister John Howard. While mateship is not a uniquely Australian
virtue, aspects of its antipodean deployment are undoubtedly distinctive,
in particular its heavy politicisation. This paper provides a case study
examining the first politically inspired ‘hijack’ of the ideal
by the Australian labour movement during the period between the 1890s and
the First World War. I explore why movement propagandists such as Lane tied
mateship to ideals of unionism and, to an extent, that of socialism. Later
I show how, during the tumult of the Great War, the labour movement arguably
lost control of the ideal, as conservatives appropriated mateship as a means
of campaigning for military conscription.
Bernd Faulenbach (Ruhr-Universität
Bochum)
Die deutsche Sozialdemokratie in den geschichtspolitischen
Auseinandersetzungen der 1970er und 1980er Jahre
Die SPD hat zu keiner Zeit nach 1945 ein geschlossenes Geschichtsbild auszubilden
versucht. In den 60er Jahren und in den 70er Jahren gab es in der deutschen
Sozialdemokratie und ihren Umfeldern so etwas wie einen „ahistorischen
Progressismus“, der mit rationalbegründeten Machbarkeitsvorstellungen
verbunden war. In den 70er und 80er Jahren verstärkte sich in der deutschen
Sozialdemokratie das Interesse an der Geschichte der Arbeiterbewegung. Bedeutsam
war der Aufbau des Archivs der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Symptomatisch für das neue Interesse an Geschichte war die Reaktivierung
der Arbeitsgemeinschaft verfolgter Sozialdemokraten (1979) und die Gründung
der Historischen Kommission beim Parteivorstand der SPD (1981), bei der
das Ziel der Identitätsvergewisserung in schwieriger Zeit ebenso eine
Rolle spielte wie die wachsende Bedeutung von Kultur und der daraus abgeleiteten
Frage der „kulturellen Hegemonie“.
Der Sozialdemokratie kam in den großen geschichtspolitischen Auseinandersetzungen
in der Bundesrepublik der 80er Jahre (Historikerstreit, Auseinandersetzungen
um das Haus der Geschichte und das Deutsche Historische Museum sowie über
Gedenkstätten) zu Gute, dass nicht wenige Zeit- und Sozialhistoriker
mit der Sozialdemokratie und ihrer Reformpolitik sympathisierten. Sie akzentuierten
mit Jürgen Habermas die Gegenwartsbedeutung des NS und seiner Verbrechen,
und manche übernahmen auch dessen postnationale Positionen. Von Bedeutung
war auch die Abwendung von der Totalitarismustheorie, deren wissenschaftliche
Erklärungskraft sichtlich begrenzt war und die auch politisch nicht
gewollt war, da man auf die Wandelbarkeit der kommunistischen Systeme hoffte.
Die sozialdemokratische Partei griff während der 80er Jahre Impulse
der Geschichtswerkstättenbewegung, der „Grabe-wo-Du-stehst-Bewegung“
u.a. auf, die Geschichte „von unten“ zu erforschen suchte. Dabei
entstanden nicht nur manche Ortsvereinsgeschichten, sondern auch Arbeiten,
die die NS-Zeit, insbesondere Widerstand und Verfolgung, „vor Ort“
thematisierten und teilweise auf die Einrichtung von Gedenkorten zielten.
Zwar standen die „Barfußhistoriker“ den Grünen nahe,
doch auch in der deutschen Sozialdemokratie entwickelte sich in den 80er
Jahren eine Art Geschichtsbewegung, die zur Stärkung des geschichtlichen
Bewusstseins beitrug.
Beachtliche Resonanz in der Öffentlichkeit erzielte die SPD mit den
– Geschichte und Politik verknüpfenden – Foren der Historischen
Kommission, von denen die Veranstaltung mit DDR-Historikern (1988) „Erben
deutscher Geschichte“ die spektakulärste war. Aufs Ganze gesehen
ist es Helmut Kohl nur bedingt nach 1982 gelungen, eine „geistig-moralische
Wende“ auf geschichtspolitischem Feld durchzusetzen. Es kam nicht
zur Restauration eines traditionellen Geschichtsbewusstseins. Dazu trugen
nicht zuletzt die Sozialdemokratie und Historiker und die neue Geschichtsbewegung
bei.
Bruno Groppo (Centre d'Histoire
Sociale du XXème Siècle, Paris)
Filippo Focardi
(Department of Historical and Political Studies, University of Padua)
The Changing Memories of World War II and Resistance
in Italy and France:
A Comparative View
One of the main topics of this paper is the weakening
of the “glorious memory” of the Resistance (and antifascism)
in Italy and France, and the appearance of memories that had been marginalized
for decades because they did not fit well in the dominant narratives focused
on the Resistance (e.g., memories of the persecution and deportation of
the Jews, of various massacres of civilians by German troops, divided memories
in the border regions between Italy and the former Yugoslavia, memories
of colonial massacres). This shift in the focus of memory has been strongly
influenced, both in Italy an in France, by the collapse of communism after
1989.
The paper will analyze in a comparative way the Italian and the French case,
with some references to Germany as far as the question of the antifascist
memory is concerned. We shall show how the memory of the Resistance was
constructed and transmitted, in particular by labour organizations, and
how it functioned as a fundamental instrument of legitimation and identity,
until it entered into a long-lasting crisis. We shall also analyze the articulation
between the memory of the Resistance and the memories of communism, before
and after the fall of the Berlin wall.
Mario Keßler (Zentrum
für Zeithistorische Forschung, Potsdam)
Die Historiographie der Arbeiterbewegung –
von der Erinnerungskultur zur Erinnerung an eine Zukunft
Die Arbeiterbewegung mitsamt ihrem politischen und kulturellen
Selbstverständnis ist heute nur noch ein Teil der weltweiten Sozialbewegung,
die um die grundlegende Verbesserung der Lebensbedingungen abhängig
Beschäftigter kämpft. Ihre historische Leistung zumindest in den
Industriestaaten besteht darin, dass ohne sie die bürgerliche Demokratie
weder durchgesetzt noch durch eine soziale Demokratie untermauert worden
wäre. Die Arbeiterbewegung verhinderte auch eine lang anhaltende Allianz
von bestimmten Fraktionen der Bourgeoisie mit dem Faschismus. Als gesellschaftlich
entscheidende Klasse, die den Kapitalismus historisch beerben würde,
ist jedoch ihr einstiger Träger, das Industrieproletariat, aus der
Geschichte weitgehend verschwunden, obgleich die Proletarisierung von Teilen
der unteren Mittelklassen hier neue Konstellationen schaffen können.
Die Historiographie der Arbeiterbewegung muss deshalb, zumal nach den Erfahrungen
von 1989, auf die Zuschreibung einer historischen Mission an die Adresse
der Arbeiterbewegung verzichten. Dennoch ist die Geschichte der Arbeiterbewegung
weit mehr als die Rekonstruktion einer ruhmvollen oder widersprüchlichen
Vergangenheit. Solange die sozialen Fragen, zu deren Lösung die Arbeiterbewegung
angetreten war, ganz oder teilweise noch ungelöst sind, solange wird
es entsprechende Sozialbewegungen geben, die ohne die Erfahrungen der Arbeiterbewegung
nicht zu denken sind. In diesem Sinn ist die Historiographie der Arbeiterbewegung
Teil des sozialen Gedächtnisses all jener, die nach Antworten auf drängende
soziale Probleme in Sinne einer Gesellschaftsveränderung suchen. Die
Historiographie der Arbeiterbewegung bleibt auch zukünftig ein Stachel
im Fleisch derer, die den Status quo als beste aller möglichen Welten
ansehen.
Helmut Konrad (Universität
Graz)
Geschichtspolitik der österreichischen Sozialdemokratie
in den 1970er und 1980er Jahren
In der Geschichte der Arbeiterbewegung kommt Österreich
ein Platz zu, der größer ist als jener von vergleichbaren Ländern.
Das hat damit zu tun, dass hier die Theorieentwicklung entscheidend vorangetrieben
wurde (Stichwort Austromarxismus), dass hier modellhaft Alltagskultur etabliert
wurde (Stichwort Rotes Wien) und dass es zentrale Gedächtnisorte (Stichwort
Februar 1934) beherbergt.
Daher hat, trotz aller Beengtheit der akademischen Welt in diesem Land,
Arbeitergeschichte in den fünfziger (Verein für Geschichte der
Arbeiterbewegung) und sechziger (ITH, Ludwig Boltzmann Institut für
Geschichte der Arbeiterbewegung, DÖW) signifikanter Fuß fassen
können als in anderen Ländern. Das Fach Zeitgeschichte galt als
„links“, für Jahrzehnte hatten (fast) alle Lehrstuhlinhaber
eine nicht nur inhaltliche, sondern meist auch institutionelle Nähe
zu den Organisationen der Arbeiterbewegung. Dies hatte eine Ursache auch
in der Förderung des Faches in der Kreisky-Ära durch Hertha Firnberg.
Allerdings wurde von dieser Position aus der Paradigmenwechsel von der Ideen-
und Organisationsgeschichte hin zur Sozial- und Kulturgeschichte etwas verschlafen,
was dem Fach für einige Zeit dramatisch die Attraktivität entzog.
Linz etwa hatte das Monopol als Begegnungsort verloren, und im Jahr 2009
als Kulturhauptstadt war das „Hotel Schiff“ ein „Ort der
Stille“, ohne jeden Bezug auf den Februar 1934. Nur in Wien hat sich
die Arbeiterbewegung in einem Ausmaß materiell in die Stadt eingeschrieben,
dass sie integraler Teil der Stadtrepräsentation sein muss.
Tomasz Kozłowski (Warsaw University)
The Memory of the Polish Independent Self-Governing
Trade Union ‘Solidarność’
The paper focuses on how Polish society recalls the Independent
Self-Governing Trade Union Solidarność and its activity
in 1980-1989. Solidarność was founded in 1980. Before that,
in Communist Poland, there were some structures called trade unions but
they differed significantly from their popularly accepted role. In fact,
they were controlled by the authorities, being apathetic about workers’
interests. Seeing that, in 1980, the shipyard workers demanded a right to
organize independent labor unions. That was the beginning of the biggest
phenomenon of the 20th century Polish history. Over 9 million people signed
it up (it is estimated that every second adult Polish citizen was its member).
I am going to present how Poles recall Solidarność movement
and how they evaluate its role. For many, that trade union became an organization
that, with its actions of defending workers’ rights, went beyond peoples’
expectations. Solidarność was fighting for human rights
and country’s independence. In my analysis I am going to use the latest
opinion polls. I will also focus on the question of creating the historical
policy on Solidarność.
Historische Bezugspunkte der Antikolonialbewegung
In seinem Buch über die Afro-Asiatische Konferenz, die im April 1955
die indonesische Stadt Bandung zum ersten Kulminationspunkt einer transkontinentalen
post- und antikolonialen Ermächtigungspolitik machte, beobachtete der
afroamerikanische Schriftsteller Richard Wright an westlichen Medienbeobachtern
den völligen Mangel einer „philosophy of history with which to
understand Bandung“. Dipesh Chakrabarty ist darin zuzustimmen, dass
diese Diagnose auf ein grundsätzliches westliches Missverständnis
hinweist: dass der Antikolonialismus in der zweiten Hälfte des 20.
Jahrhunderts in erster Linie eine strategische Form inversen Rassismus sei,
mit der dem Westen der Kampf angesagt werde. Tatsächlich findet sich
die Angst vor der „Rache der Ausgebeuteten“ häufig als
hintergründiges Transkript antikommunistischer Politik im Kalten Krieg
– etwa in der Identifikation indigener Gemeinschaften Lateinamerikas
als proto-kommunistische Kulturen, die nur darauf warteten, unter dem Einfluss
eines internationalen Marxismus die postkolonialen Eliten in den jeweiligen
Hauptstädten zu beseitigen. Und auch revolutionärer Internationalismus
war ein wesentlicher Diskurs postkolonialen Aktivismus, insbesondere ab
den 1960er Jahren, wie sich an Che Guevaras Botschaft an die Trikontinentale
Konferenz (Havanna, 1966) ablesen lässt. Dennoch aber war dies nur
ein Strang eines komplexen und heterogenen Diskurses, an dem im
Laufe des 20. Jahrhunderts zahlreiche und unterschiedliche AkteurInnen Teil
hatten. Aufgrund verschiedener Erfahrungshintergründe dieser AkteurInnen,
die aus dem postkolonialen Süden ebenso wie aus Europa und den USA
stammten, waren auch ihre geschichtspolitischen Argumente höchst unterschiedlich.
Dieser Vortrag verortet einige der zentralen antikolonialen Geschichtspolitiken
in einer Zeitreihe, die von der Konferenz der anti-imperialistischen Liga
1927 in Brüssel bis in die Gegenwart reicht.
Ratna Saptari (Leiden University / International
Institute of Social History, Amsterdam)
Labour, Collective Memory and Nationhood: Spatial
Dimensions of the Indonesian Decolonization Process
My paper will reflect on the concept of collective memory as it is used
to examine the understanding of the past by looking at stories of organized
and unorganized workers in the Indonesian decolonization process. If we
follow the nationalist rhetoric in the decolonization process, frequent
references are made to workers and the suffering of the people. At the same
time labour movements in the decolonization process are unequivocal in their
anti-colonial rhetoric, whether they are affiliated to nationalist political
parties or not. It is an undeniable fact that despite cultural, ethnic and
religious differences, there is a sense of shared national belonging. It
is in this sense that studying the collective memory of labour movements,
and union leaders on the decolonization process is an exciting and challenging
endeavor. The conventional approach would be to look at the process of decolonization
and how people in different geographical locations perceive and recollect
this process. However critical views on this approach have argued that the
construction of collective memory is itself problematic. This paper is based
on a collective project (‘Indonesia Across Orders, under the umbrella
of the Netherlands Institute for War Documentation’) which examines
the role of unions in the ‘vital’ sectors such as the railway,
harbour and mining sectors, but also unorganized workers in the ‘informal’
sectors (pedicab drivers and domestic workers) in the decolonization process.
Although the project itself did not focus on the formation of collective
memory, in this paper, I would like to examine how different historical
actors simultaneously represent, receive and contest memory. It is also
a reflection on the relationship of individual and collective memory; on
the role of geographical difference in nation formation and how this influences
perceptions of the past. It also attempts to look at how space (public vs.
private) affects the reconfigurations of individual memories and what this
can tell us about collective memory.
Enzo Traverso (University of Picardie Jules
Verne, Amiens)
European Memories. Entangled Perspectives
By contrast with the two preceding centuries, which were shaped by the impact
of the French and Russian Revolutions, the twentieth-first century has begun
under the sign of the eclipse of utopias. The disappearance of a visible
“horizon of expectation” has generated a charged memory of the
twentieth century as a time of violence, totalitarianisms and genocides,
encapsulated by the image of their victims. Analyzing the commemorations
of May 8, 1945 – the anniversary of the end of the Second World War
and of the Sétif massacre – we could distinguish three main
spaces that define Europe’s memories: a Western space shaped by the
remembrance of the Holocaust; an Eastern space dominated by the legacy of
Communism; and a postcolonial space exhuming the continent’s imperial
past. In spite of the conflicts that it entails, the conjunction of these
different perspectives can prove fruitful both hermeneutically (as a tool
for rethinking European history) and politically (as a means of reformulating
an idea of citizenship that transcends national divisions).
Andreas Eckert (Institut für Asien- und
Afrikawissenschaften, Humboldt-Universität Berlin)
Historische Bezugspunkte der afrikanischen Arbeiterbewegungen
Die Arbeiterbewegungen haben in Afrika die Geschichte der Dekolonisation
stark geprägt. Eine Reihe nationalistischer afrikanischer Politiker
wie Sekou Touré entstammte der Gewerkschaftsbewegung, sah jedoch
bald in der „Labour Question“ kein wichtiges Vehikel für
den nationalistischen Kampf mehr. In den jungen Staaten Afrikas sind Arbeiterorganisationen
bald an den Rand gedrängt worden. Im Namen der nationalen Einheit und
der Nationsbildung wurden etwa Gewerkschaften verboten oder in die herrschenden
Parteien „integriert“. Als in diesem Jahr viele afrikanische
Staaten den 50. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit begingen, spielten die
Arbeiterbewegungen in den entsprechenden Inszenierungen der Erinnerung kaum
eine Rolle. Am stärksten ist die Arbeiterbewegung noch in der „kollektiven
Erinnerung“ Südafrikas präsent. Der einstige Apartheidstaat
verfügte im Gegensatz zu fast allen anderen Ländern südlich
der Sahara über eine signifikante Industrie und eine vergleichsweise
große Arbeiterschaft. Der Beitrag wird sich daher auf Südafrika
konzentrieren, gleichwohl auch andere Beispiele heranziehen. Gefragt werden
soll nach dem Platz von Arbeiterbewegungen in der Erinnerungspolitik, aber
auch nach den erinnerungspolitischen Strategien einzelner Gruppen und Individuen.
Schließlich gilt es, der Rolle afrikanischer Arbeiterbewegungen für
globale Erinnerungsprozesse nachzuspüren.
Jürgen Kocka (Friedrich-Meinecke-Institut,
Freie Universität Berlin)
Arbeiterbewegungen in der europäischen Erinnerung
des 20. Jahrhunderts
In dem Vortrag soll es erstens um die Frage gehen, mit welchen Absichten,
in welcher Weise und mit welchem Erfolg die Arbeiterbewegungen seit dem
19. Jahrhundert versucht haben, ihr Bild in der kollektiven Erinnerung –
intern und im Hinblick auf die Öffentlichkeiten – zu prägen.
Zweitens soll den wichtigsten Entwicklungslinien in den vorherrschenden
Bildern von der Arbeiterbewegung unter unterschiedlichen gesellschaftlichen
und politischen Bedingungen im Wandel des 20. Jahrhunderts nachgespürt
werden. Der Vortrag schließt mit der Frage, ob es in Bezug auf die
Arbeiterbewegung so etwas wie eine europäische Erinnerung gibt.
Gerardo Leibner (Institute for Latin American
History and Culture, Tel Aviv University)
The Memory of Latin American Labour Movements
In this presentation I will explore two main problems:
1. The complex relationship between the memory of the labour movement and
the memory of the revolutionary movement. In this analysis I will refer
to Peru, Argentina, Uruguay and Chile.
2. The shifts and changes in the representations of the political, social
and ideological history of the labour movement from the 1960s until the
last decade, as they are reflected in the institutional memory and in the
memoirs published by some of its leaders. I will mainly base my analysis
on materials from a research on Uruguay.
Ulla Manns (Department of Gender Studies,
Södertörn University, Stockholm)
Historico-political Strategies of Feminist Movements
First Wave Scandinavian Feminist got organized simultaneously, eager to
on a collective basis radically change conditions for women and contemporary
conceptions of gender. Regarded as a social movement, Scandinavian feminist
organizations and individuals connected to the movement rapidly produced
a great amount of documents that both functioned as political statements
and as forceful tools fostering feminists and feminist identities. Journals,
protocols, pamphlets, novels, theatre plays etc. were produced, all with
the aim to document, foster and participate in an ongoing, often heated
debate about gender, power and feminist identity. In this huge source material
there are many texts telling the story of the so called woman question in
the region, the history of prominent feminists or organizations. In all,
Scandinavian feminism was quickly keen on controlling and therefore also
producing a history of it-self, on a collective as well as on an individual
basis.
This paper presents an analysis of the master narratives produced by Scandinavian
feminists during and shortly after the decline of First Wave feminism. The
paper discusses the impact of historical consciousness on social movements
in general and for feminist identity in particular. The material shows a
clear trend towards the writing of a homogeneous history of a movement where
internal conflicts are tuned down. The profound importance of men in early
Scandinavian feminism is also diminished, as is more radical feminist groups
within the movement, groups advocating sexual reforms, left wing liberals,
peace workers, not to mention socialists.