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45. Linzer Konferenz (September 2009)
Towards a transnational Labour History?
Zwischenbilanz des Konferenzzyklus "Labour History beyond borders" / Die 'zivilisatorische' Rolle der der Arbeiterbewegung.

Zwischenbilanz des Zyklus "Labour History beyond borders"

Im Mittelpunkt der Linzer Konferenz 2009 sollte eine inhaltliche und methodische Bilanz des Dreijahresprogramms der ITH stehen. Unter der Leitfrage "Labour history beyond borders?" gilt es dabei, zentrale Ergebnisse der Konferenzen von 2007/2008 aufzugreifen, die sich als ergiebig und tragfähig erwiesen haben, diese mit laufenden Forschungsarbeiten zu verknüpfen und schließlich konkrete Perspektiven einer ArbeiterInnen(bewegungs)geschichte jenseits traditioneller Grenzen" – seien sie staatlicher, akteursspezifischer oder methodischer Natur – zu beleuchten. Dabei sollen sowohl die Erkenntnisse über die Arbeiter- und Protestbewegungen in Asien und Lateinamerika berücksichtigt als auch die transnationalen Kommunikations-, Interaktions- und Protestformen dieser Bewegungen in Verbindung mit den "klassischen" Arbeiterbewegungen untersucht werden.

Übergeordnetes Ziel der Konferenz sollte es sein, Impulse des "Südens" aufzunehmen, damit gleichzeitig Anregungen für die Geschichtsschreibung im Europa und Nordamerika zu liefern und letztlich diejenigen Themen, Fragestellungen und Methoden aufzuzeigen, die heute eine Analyse der Geschichte und Gegenwart von Arbeitern und Arbeiterbewegungen ausmachen.

Anhand der Erfahrung der Konferenzen von 2007/2008 soll in einem ersten Teil der Konferenz bilanziert werden, inwieweit sich zu "global/transnational Labour history" ein gut zusammenhängender Konferenzzyklus hat organisieren lassen. Welche neuen Zugänge, welche neuen Methoden wurden präsentiert? Welcher Erkenntnisgewinn? Welche Produktionsbedingungen und organisatorisch/finanzielle Rahmen von "transnational Labour history" lassen sich erkennen? Wo und von wem wird sie erzeugt?

Der zweite Teil der Konferenz sollte einem Vergleich der historischen Rolle der Arbeiterbewegung in Europa und jener der gegenwärtigen Arbeiterbewegung in "emerging countries" gewidmet sein:

Die 'zivilisatorische' Rolle der Arbeiterbewegung

In diesem Teil soll die zivilisatorische Funktion der Arbeiterbewegung nach zwei Seiten hin thematisiert werden:

1. Die zivilisatorische Funktion in Bezug auf die Arbeiterschaft. Damit ist der ganze Komplex der Erziehungsarbeit der Arbeiterschaft im Zuge ihrer Organisierung gemeint.

2. Die zivilisatorische Funktion in Bezug auf bestehende Eliten. Damit ist die Domestizierung von Eliten durch eine sozialdemokratische Wirtschaftspolitik ebenso gemeint wie deren Eliminierung durch die kommunistische Bewegung in ihren diversen Spielarten.

Beide Bewegungen haben auf ihre Art zur Schaffung relativ homogener Gesellschaften in Europa beigetragen und damit auch die Grundlagen geschaffen, auf denen der Sozialstaat aufbauen konnte bzw. (in den Transformationsländern Mittel/Osteuropas) aufbauen kann.

Ein Ziel des zweiten Teils der Konferenz ist es, diese Errungenschaften der Arbeiterbewegung (oder Arbeiterbewegungen) in den Blickpunkt der europäischen Erinnerung zu rücken, aus der sie weitgehend amputiert worden sind.
Was war in diesem Sinn der Beitrag der Arbeiterbewegung zur Herausbildung der europäischen Sozialstaaten und damit zur europäischen Identität?
Kann die Rolle, die heute die Arbeiterbewegung in "emerging countries" ausübt, in ihrer zivilisatorischen Funktion mit jener der Arbeiterbewegung in Europa verglichen werden?

Mögliche KoordinatorInnen:
Feliks Tych (Warschau), Berthold Unfried (Wien)