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Zusätzliche Konferenz September 2008
Labour History in 'Emerging Countries'

Französische Version

Diese Konferenz soll die wichtigsten Begriffe, Problemstellungen und Ergebnisse der Arbeitergeschichte (Labour history) in Ländern diskutieren, die wir provisorisch und mangels Besserem als emerging countries bezeichnen.

Diese Länder wie Brasilien, Mexiko, Südafrika, Indien, China, Südkorea und Indonesien haben 2 Charakteristika gemeinsam: eine rasche wirtschaftlich-industrielle Entwicklung im Zuge der "Globalisierung" der Weltwirtschaft, die tiefe Veränderungen der Welt der Arbeit zur Folge hat; und die Entwicklung einer eigenständigen Arbeitergeschichte (Labour history). Die Bezeichnung emerging countries, die vielleicht von einer pertinenteren Bezeichung abgelöst werden kann, dient hier als Arbeitsbegriff für solche Länder, die wirtschaftlich mit den entwickeltsten kapitalistischen Ländern in enger Beziehung stehen, deren Arbeitsverhältnisse sich aber vom nordamerikanischen und europäischen Modell unterscheiden.

Der erste Teil der Konferenz soll die verwendeten Konzepte und Fragestellungen präzisieren.
Die Arbeitergeschichte, wie sie in Europa und in den USA entstanden ist, verwendet Begriffe wie Lohnarbeit, Arbeiterklasse, Industrieproletariat, etc., die nicht wirklich auf die Situation in den emerging countries übertragbar sind, wo es beispielsweise fließende Übergänge von unfreier zu Lohnarbeit gab und gibt. Diese unterschiedlichen Konzepte müssen also auf ihre Pertinenz für eine jeweilige Situation hin diskutiert werden. Darüberhinaus ist danach zu fragen, mit welchen Konzepten und Begriffen eine Arbeitergeschichte mit globalem Anspruch (global labour history) überhaupt arbeiten kann.

Eine andere Problematik, die in diesem ersten Teil diskutiert werden sollte, ist jene der Quellen und der Archive, auf die sich die Historiographie von Arbeit und Arbeiterbewegung stützen kann. Mangel an schriftlichen Quellen, schlechte Konservierung und das Fehlen von Strategien der öffentlichen Hand in Archivangelegenheiten sind spezifische Probleme in emerging countries. Dazu kommt das gemeinsame Problem der Erhaltung elektronischer Quellen, wenn man die Bedeutung elektronischer Kommunikation und des Internet gerade für neue soziale Bewegungen in Rechnung stellt. Die Konferenz sollte sich also auch dem Problem der Quellen und Archive in emerging countries widmen. Dieser Teil würde sich besonders für eine Zusammenarbeit mit der IALHI (International Association of Labour History Institutions) eignen.

Der zweite Teil soll sich der Labour history in und zu den emerging countries widmen.
Wir sollten uns nicht nur für die Arbeiter- und Sozialgeschichte interessieren, die in diesen Ländern produziert wird, sondern auch für jene, die zu diesen Ländern produziert wird. Eine zentrale Fragestellung sollte jene nach Themen und Fragestellungen sein, die in Bezug zu jenen der europäischen und nordamerikanischen Arbeiter- und Sozialgeschichte wirklich innovativ sind, ob es richtungsweisende Forschungsarbeiten gibt (wie es beispielsweise The Making of the English Working Class von E.P.Thompson war) und welches die vorherrschend verwendeten Methoden sind.

Welche Fragestellungen sind innovativ bzw. welche sind Fragestellungen, die man in früherer, auf die Zentren der "klassischen" Arbeiterbewegung beschränkter Arbeitergeschichte nicht stellen konnte? Ein Beispiel wäre der Zugang über Commodity Chains (Warenmehrwertketten), die verschiedenen, weltweit verstreuten Produktionsetappen und Arbeitsvorgänge, die in die Fertigung einer Ware einfließen. Ein solcher Zugang zieht Fragen nach sich, was das für die Solidarisierung und Entsolidarisierung der damit befassten Arbeiter bedeutet.

Zu diesem Teil gehören auch Fragen nach den Entstehungsbedingungen von Labour history in den emerging countries. Welche Institutionen und Forschungseinrichtungen existieren auf diesem Feld, welche strukturierten Netzwerke und Publikationsorgane? Gibt es Strategien der Politik zur Förderung von Labour history, Verbindungen zu sozialen Bewegungen? Weiters Fragen nach dem Grad an Professionalisierung, der Historikerausbildung, den vorherrschenden intellektuellen Einflüssen und Traditionen, den sprachlichen und kulturellen Rahmen der Wissensproduktion im Feld der Labour history, den nationalstaatlichen Begrenzungen und den transnationalen Verbindungen, den Haupttendenzen der Historiographie. Welche Rolle spielt sie als Legitimationsinstrument und als Medium der Identitätsstiftung?

Schlussbemerkung

Die präzise Ausarbeitung der Themen und Fragestellungen sollte mit Blickpunkt darauf erfolgen, was wirklich neu und originell ist. Das macht eine Zusammenarbeit mit Kolleg/inn/en erforderlich, die in und über emerging countries arbeiten. Als Vorstufe in der Organisation der Konferenz sollten daher für jedes Land, das uns interessiert (auf jeden Fall Indien, Südafrika und Brasilien) Überblickstexte erstellt werden, welche die wichtigsten Arbeiten und Trends der Labour history präsentieren. Diese Texte, die separat, ev. in Zusammenarbeit mit der historiographischen Reihe des Bochumer Instituts für soziale Bewegungen publiziert werden könnten, sollen der Identifizierung von Themenblöcken und von Referent/inn/en dienen.
Mit dem Ziel, die Vergleichsperspektive hervorzuheben, sollten die Beiträge/r angehalten werden, auszuführen, worin sie sich von der europäischen oder nordamerikanischen Labour history unterscheiden, und wie sie sich ev. in Bezug auf Tendenzen dieser Historiographie situieren.

Veranstaltungsort und Kooperationspartner:

Johannesburg: Im September 2008 wird dort die IALHI-Jahreskonferenz stattfinden. Wir sind in Planungsgesprächen, im Anschluss daran in Zusammenarbeit mit der IALHI und dem History Workshop, eine 2- bis 3-tägige inhaltliche Konferenz an der Universität Witwatersrand zu organisieren. Zu diesem Zweck ist im Februar 2007 ein Planungskomitee aus Vertretern der potenziellen Partnerorganisationen konstituiert worden.