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Bericht über die 39. Linzer Konferenz
11.–14. September 2003

Arbeit, Arbeiterbewegung und neue soziale Bewegungen im globalisierten Weltsystem

"Arbeit, Arbeiterbewegung und neue soziale Bewegungen im globalisierten Weltsystem" war das Thema der diesjährigen Linzer Konferenz (11.-14.9.2003). Damit hat sich die ITH einem ganz aktuellen Thema zugewandt, um es in historischer Perspektive zu diskutieren.
Welche Konjunkturen nationaler Gebundenheit und internationaler Orientierung lassen sich im Verhältnis von Arbeiterbewegung und freiem Kapitalverkehr ausmachen? Was ist - aus der Sicht der Arbeiter/innengeschichte - in Hinblick auf die weltweite Entwicklung der Arbeitsverhältnisse und der sozialen Proteste wirklich qualitativ ‘neu’ an der ‘Globalisierung’ unserer Zeit? Wie reagieren die Arbeiter/innenbewegungen auf die Phänomene der ‘Globalisierung’? Welche Zusammenhänge zwischen den wenig trennscharf als ‘Nichtregierungsorganisationen’ (NGOs) bezeichneten Organisationen, die der Globalisierung des Kapitals transnationale Netzwerke entgegenstellen wollen, und der ‘alten’ Arbeiterbewegung gibt es?
Antworten auf diese Fragen versuchten Historiker (diesmal in der Minderzahl), Soziologinnen, Forscherinnen in internationaler politischer Ökonomie und Geografen in ihren Beiträgen zu geben. Einleitenden Referaten zu der Dynamik von ‘Labor, Globalization and World Politics’ (Beverly Silver) und zu Veränderungen der Geschlechterverhältnisse in der Globalisierung (Ilse Lenz) folgten Sessionen zur Arbeiterklasse in neuen Industrieländern, zu Formen der Arbeitervertretung und zu NGOs als Gegenpol zu transnationalen Konzernen.
Die Einschätzungen differierten schon in der Diagnose: Bezeichnete etwa Jeffrey Harrod die vorherrschende Art der Verwendung des Begriffs ‘Globalisierung’ als ein ideologisches Konstrukt zwecks Beförderung der Interessen der Wirtschaft, dem keine entsprechende qualitativ neue Verflechtung der Weltwirtschaft gegenüberstehe, und führte dafür den Rückgang der ausländischen Direktinvestitionen (FDI) seit den 1980er Jahren ins Treffen, basierte der ganze Zugang von Beverly Silver auf dem Befund eines kapitalistischen Weltsystems, dem die Tendenz zur ‘Globalisierung’ inhärent ist.
Der ‘Globalisierung’ des Kapitals, der Produktion und des Handels scheint eine zunehmende Interessendifferenz zwischen den Vertretungen der ‘Arbeit’ in den einzelnen Ländern und Regionen zu entsprechen. Ist es da noch möglich, überhaupt eine Basis für gemeinsames Handeln zu finden, die es erlauben würde, von einer weltweit agierenden Arbeiterbewegung zu sprechen? Am Abend des ersten Tages fand eine Podiumsdiskussion zu der Frage: ‘Ist weltweite Solidarität möglich?’ Politische Antworten auf die ‘Globalisierung‘ der Wirtschaft’ statt. Unter der Leitung von Berthold Unfried diskutierten Eva Belabed (AK Linz), Willy Buschak (Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen, Dublin), Ilse Lenz (Ruhr-Universität Bochum), Marcel van der Linden (Internationales Institut für Sozialgeschichte, Amsterdam), Karl-Heinz Roth (Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts, Bremen) und Ulrich Schöler (Präsidialbüro des Deutschen Bundestages, Berlin).
Die Beiträge werden, wie bisher, bis zur nächsten Konferenz in Form eines Sammelbandes veröffentlicht.